Gedanken zum "Schuhwerk" von Gilla Cardaun


Ein Schwerpunkt meiner künstlerischen Arbeit ist, unter anderem(Malerei,Skupturen, Installationen) die Erschaffung von Schuhen nachempfundenen Objekten. Schon 1979, noch während des Studiums an der Kunstakademie, Münster bei meinem Lehrer Professor Timm Ulrichs, begann ich meine Schuh-Kreationen zu erfinden, in Ton , in Porzellan, in Bronze und auch aus echten, getragenen Schuhen .„Objekt“ stammt aus dem lateinischen und bedeutet Vorwurf, das Vorgeworfene. So reicht das Spektrum meines Schuh – Werks von sinnbildhafter Spiegelung gesellschaftlicher Zusammenhänge und Wahrheiten bis zu zweckfreien Manifestationen visueller Poesie.

Oft werde ich bei Austellungen gefragt:“Kann man die Schuhe auch anziehen?“Ich antworte dann manchmal:“Die Gedanken, die beim Betrachten entstehen können, kann man sich anziehen.“Womit wir schon bei einem wesentlichen Aspekt meiner künstlerischen Intention angelangt sind: „die Teilhaberschaft der Betrachtenden“ So ist die die Betitelung mir oft schon zu viel der Vorgabe. Mag sein, das mir Botschaften gelingen, während ich meiner Fährte folge .Jedoch durch Worte, das Gebildete, das Objekt eindeutig erklären, halte ich nicht für erstrebenswert. Meine Beschreibung würde den eigenen Eindruck eines Betrachters unverrückbar verwischen, einem Spiegelbild gleichend, das gerade noch sein deutliches Abbild war. So gleicht das Wort schnell einer Beschränkung, wird buchstäblich zur engen Umzäunung , um wie in einem Käfig zu verhindern, das zur selbstständigen Erkennung freigegebene Kunstwerk, auf sich wirken zu lassen.. Der Gedankenfluß würde, wie durch ein Korsett , in festgelegte Bahnen gelenkt.

-Gedanken über Gangarten manifestieren sich, schreiten vorüber, hinterlassen Eindrücke, die die Kunstbetrachter erfinden, an denen teilzunehmen mir der Erfinderin des Objektes, verborgen bleiben. Nur Auslöserfunktion ist dem Werk gewiss.

So lade ich die Kunstfreunde ein, sich den eigenen Assoziationen überlassend, Teilhaber des Schöpfungsprozesses zu werden, jeder auf seine ureigene Weise, ohne durch einengende Vorinterpretationen meinerseits behindert zu sein.

Schuhe können für Abgrenzung, und Loslösung von der Natur stehen. Interessant macht sie auch die ihnen immanente Bildhaftigkeit im Gegensatz zu den meisten anderen Kleidungsstücken, Schuhe halten die Form auch ungetragen. In einigen meiner Werke bin ich bestrebt, Sicht- und Denkschneisen zu vermitteln im Sinne von Modellen, die nicht 1 : 1 übertragbar sind, die möglichen Erkenntnisse aber sehr wohl extrapoliert werden können.

Freilich muß die Betrachtung meiner Schuh - Objekte nicht über das Wohlgefallen an “Fetisch Schuh“ hinausgelangen. Jedoch bleibt den Aufmerksamen unter den Kunstfreunden nicht verborgen, das der Schuh mehr sein kann ,als ein kostbares Accessoire (Fußzierde), mehr als ein Gebrauchsgegenstand( Fußschutz). Uns alle immer wieder berührend im alltäglichen Gebrauch, notwendig wie essen und trinken, ist er Mittler zwischen Mensch und Erde, Mitwirkender eines unserer wichtigsten Bedürfnisse :“die Fortbewegung“

Der Aspekt, das Schuhe in der Regel als Duo auftreten, gibt mir in vielschichtiger Weise die Gelegenheit binäres Denken sinnbildhaft greifbar zu machen, erfahrbar werden zu lassen. Der Dualismus, eines unserer elementasten Prinzipien, spiegelt sich in unseren Füßen geradezu in Perfektion. In der Zweiheitslehre besteht diese Zweiförmigkeit(nicht zu verwechseln mit Polarität) aus zwei ursprünglichen, gleichwertigen Prinzipien, die einander ergänzen, weil sie aufeinander abgestimmt sind und deshalb und dadurch natürliche Wirkungsweisen bestimmen.

Meine Schuh – Objekte ermöglichen dem aufmerksamen Betrachter Anregung, einem Anstoß ähnelnd, der den Wagen ins rollen bringt, in Form von sich aneinanderreihenden Assoziationen, einander bedingend – im Fluß – in Bewegung –

Teilhaber meiner Kunst zu sein........

G.Cardaun 9.2009